Zuletzt geändert: Sa, 29.01.2005

«11C» Stoff der 1. Kurzarbeit «PDF», «POD»



Inhaltsverzeichnis:

0.1 Verschiedene Zugänge und Auslegungswege zur bzw. der Bibel

historisch-kritisch

Der Text interessiert v.A. im Kontext seines geschichtlichen Werdens.

religionsgeschichtlich

Der Text interessiert als Zeugnis einer Religion (z.B. Vergleich mit anderen Religionen).

tiefenpsychologisch

Eine tiefenpsychologische Dimension des Textes wird behauptet und versucht offenzulegen.

materialistisch

Der Text wird im Kontext einer materialistischen Weltanschauung auf seinen gesellschaftlich relevanten Nutzen befragt.

feministisch

Der Text interessiert aus dem Blickwinkel von Frauen.

befreiungstheologisch

Der Text wird dahingehend befragt, was er in politisch schwieriger Situation an Befreihung verheißenden Momenten enthält.

bibliodramatisch

Der Text wird über das Spiel unmittelbar in großer Erlebnisbreite erschlossen.

fundamentalistisch

Alle anderen Zugänge und Auslegungswege werden abgelehnt, da die Bibel als "direktes" Wort Gottes zum einen wörtlich zu nehmen ist und zum zweiten keiner besonderen Auslegungsmethodik bedürftig ist.

0.1.1 Die historisch-kritische Methode

Die historisch-kritische Methode will die Texte der Bibel als wichtige Glaubenszeugniss in ihrem historischen Kontext verstehen, um sie aktuell richtig anzuwenden. Dabei bedient sie sich folgender methodischer Schritte:

  1. Textkritik vergleicht die unterschiedlichen Textzeugen (Stichwort "kritischer Apparat").

  2. Literarkritik fragt

    a)

    nach der äußeren Abgrenzung des Textes,

    b)

    nach seiner Stellung im Kontext,

    c)

    nach seiner Einheitlichkeit,

    d)

    nach seinen literarischen Quellen und

    e)

    nach Verfasserschaft und Entstehungsverhältnissen.

  3. Formgeschichte (bzw. Formkritik)

    a)

    versucht die Gattung des Textes zu bestimmen,

    b)

    fragt nach dem "Sitz im Leben" des Textes und

    c)

    fragt nach seiner Überlieferungsgeschichte.

  4. Redaktionsgeschichte

    a)

    fragt nach der Funktion einzelner Texte im jetzigen Zusammenhang,

    b)

    untersucht schriftliche Veränderungen am Text auf ihren historischen und theologischen Gehalt und

    c)

    versucht ein Gesamturteil über die Werke von Schriftstellern, Sammlern und Redaktoren (Ausgangspunkt bei der Redaktionsgeschichte ist immer der einzelne Text seit seiner ersten Veröffentlichung!).

0.1.2 Die sogenannte "2-Quellen-Theorie" (als häufigste Antwort auf die synoptische Frage)

(Zwei Quellen: Mk, Q)

  • Synoptische Evangelien:

    • Mk (nach 70)

    • Mt (nach 80): Mk, Q (Spruchsammlung; ca 50 n.Chr.), \text{S}_{\text{Mt}}S Mt (Sondergut des Mt)

    • Lk (um 90): Mk, Q, \text{S}_{\text{Lk}}S Lk

  • Joh

0.1.3 Die tiefenpsychologische Auslegungsmethode anhand Joh 5,1-18

  1. Diese Methode zwingt uns, unsere gewohnten thelogischen Denkkategorien zu verlassen.

  2. Auf Joh 5,1ff bezogen heißt das:

    a)

    Jesus begegnet dem Kranken als "Therapeut".

    Er öffnet ihm dafür die Augen, dass er nur heil werden kann, wenn er

    b)

    seine passive Hilflosigkeit aufgibt und für sich Verantwortung übernimmt und er

    c)

    seine Umwelt, die ihn krank macht, verlässt.

"Ständiges Müssen ist schlecht." "Theologen sind keine Therapeuten" "gespannt warten"