Zuletzt geändert: Di, 31.01.2006

«K12/K13» Modell des Wirtschaftskreislaufs «PDF», «POD»




0.0.1 Modell des Wirtschaftskreislaufs

  • Akteure heißen Wirtschaftssubjekte.

  • Handlungsbeziehungen zwischen Wirtschaftssubjekten heißen Transaktionen.

  • Gleichartige Wirtschaftssubjekte bzw. Transaktionen werden aggregiert, unter Beachtung des Modellzwecks.

    • Wirtschaftssubjekte → Sektoren (z.B. alle Haushalte)

    • Transaktionen → Ströme (z.B. alle Komsumausgaben des Haushalts)

    [Spannung gegeben durch Nutzungsgewinnung beim Laufenlassen von Strömen]

0.0.1.1 Der einfache Wirtschaftskreislauf [deklinierendes Modell]
digraph a {
  rankdir=LR;

  U -> H [style=invis, weight=0.1];
  
  H -> U [label="Faktorleistungen (Arbeit, Kapitel, Wissen)"];
  U -> H [label="\nVolkseinkommen"];
  U -> H [label="Konsumgüter"];
  H -> U [label="Konsumausgaben"];
}

[Volkseinkommen und Komsumausgaben sind Geldströme, Faktorleistungen und Konsumgüter sind Güterströme]

[Konsumausgaben und Konsumgüter sind gleich groß; ebenso das Volkseinkommen und die Faktorleistungen]

UU

Alle Unternehmer, inklusive Industrie, Handwerk, Banken, Versicherungen, landwirtschaftliche Betriebe, Ärzte (freie Berufe), öffentliche Versorgungsbetriebe, Bahn, Post etc.

= produzierende Wirtschaftssubjekte

HH

Alle privaten Haushalte und Ansteller, Vereine, Parteien, Kirchen, Gewerkschaften usw.

= konsumierende Wirtschaftssubjekte

[Gangloff-Alaska-Beispiel]

[Kombination der Produktionszutaten hat Wert; Name: Unternehmerleistung, Entlohnung durch Gewinn]

[Möglichkeiten für Arbeiter, am Gewinn teilzuhaben: organisatorische Hilfe, Streik (Organisation ohne Arbeiter nutzt nicht viel)]

[Güter können individuell mehr wert sein als ihr Marktpreis ist, z.B. Briefmarke für Sammler]

[Probleme bei diesem Modell: Fehlen von Export/Import, Haushalte geben nicht alles aus, sondern sparen auch, Fehlen von Investitionsgütern]

[Außerdem wäre nach zehn Jahren jeder bankrott, weil Maschinen kaputt, Gebäude kaputt etc.]

0.0.1.2 Evolutorisches Modell
.cache/a1ac460352883fdcfd9e88dbcc20818c.png
Size: 287x152
Scaled to: 287x152
digraph a {
  rankdir=LR;

  U -> H [label="Volkseinkommen Y"];
  H -> U [label="Konsumausgaben Ch"];
  U -> U [label="\n__     Verschleiß D; Ie"];
  H -> b [label="Sh"];
  b -> U [label="In"];
  b [label="Delta Volksvermögen (VV)"];
}

Sicht von UU: Y = C_{H} + I^{\text{n}}Y = CH + In

Sicht von HH: Y = C_{H} + S_{H}Y = CH + SH (Sparen bei HH)

I^{\text{n}} = S_{H}In = SH (KEYNEsche Investitionsgleichung)

[I^{\text{n}} = 0In = 0 ← stationäres Modell]

0.0.1.3 Wodurch werden die Entscheidungen beeinflusst?

Unternehmen: Investitionen → I^{\text{n}}_{\text{gepl.}}Igepl.n

  • Gewinnerwartungen

  • Absatzerwartungen

  • Kreditzinsen [z.B. Immobilien im Ausland (z.B. Spanien, England), weil dort die Zinsen geringer als die Wertsteigerung der Immobilien ist]

  • Investitionsförderung [z.B. staatliche Subventionen, Steu­er­er­läs­se]

Haushalte: Sparen → S_{H,\text{freiwillig}}SH,freiwillig

  • Sparzinsen

  • Preisentwicklung [fallende Preise → warten auf noch niedrigere Preise → paar Produzenten gehen bankrott → die übrigen Produzenten können mit dem Preis wieder hochgehen → Leute kaufen "solange es noch billig ist"; d.h. bei Erwartung steigender Preise kaufen Leute mehr]

  • Einkommensstärke

  • Sparförderung

→ Übereinstimmung wäre rein zufällig (ex ante, im voraus)

Aber: Übereinstimmung wegen KEYNEscher Investitionsgleichung (ex post, am Schluss)

→ Ausgleichsmechanismus von ex ante zu ex post notwendig!

0.0.1.4 Mögliche Ausgleichsreaktionen
digraph a {
  rankdir=LR;

  U -> H  [label="Y (100)"];
  H -> VV [label="Sh (10)"];
  VV -> U [label="In (20)"];
  H -> U  [label="Ch (90; aber Unternehmen ''akzeptiert'' nur 80)"];
  U -> U  [label="\n___    D (10); Ie (10)"];
  VV [label="Delta Volksvermögen (VV)"];
}

HH: 100 = 90 + 10100 = 90 + 10

UU: 80 + 20 + 10 = 100 + 1080 + 20 + 10 = 100 + 10

VVV V : 10 \neq 201020

ex ante Ungleichgewicht

Situation: I^{\text{n}} > S_{H}In > SH

I^{\text{n}}_{\text{gepl.}}Igepl.n (2020); S_{H,\text{freiw.}}SH,freiw. (1010)

a)

Realausgleichsmöglichkeiten

  • Wartezeit für überschüssiges C_{H}CH ["ein Schritt in die Zukunft"]

    S_{H,\text{unfreiw.}}SH,unfreiw.

  • Überschüssiges C_{H}CH wird aus Lagerbeständen bedient ["ein Schritt in die Vergangenheit"].

    → negatives I^{\text{n}}_{\text{ungepl.}}Iungepl.n (Kapitalstock bei UU vermindert sich um den Lagerbestandsverkauf)

I^{\text{n}}_{\text{gepl.}} + I^{\text{n}}_{\text{ungepl.}} = S_{H,\text{freiw.}} + S_{H,\text{unfreiw.}}Igepl.n + Iungepl.n = SH,freiw. + SH,unfreiw.

20 + {0 \atop -10} = 10 + {10 \atop 0}20 + 0 10 = 10 + 10 0

b)

Ausgleichsmöglichkeiten mit Preisveränderungen (monetärer Ausgleich)

  • Güter (aus laufender Produktion [könnte aber theoretisch auch aus Lagerbeständen sein]) werden teurer gemacht (80809090)

    → unerwartete Gewinne bei Unternehmerhaushalten

    S_{H_{\text{Unt.}},\text{unerwartet}}SH Unt.,unerwartet (1010) [zusätzlich noch zum restlichen, üblichen Gewinn in YY ]

[In der Realität häufiger: Lagerbestandsverkauf, weil Konkurrenzdruck ("wenn du mich auf die Warteliste setzt gehe ich halt zu 'nem anderem"); und außerdem freuen sich auch die Unternehmen, wenn sie ihr Lager kleiner kriegen können (ansonsten bleiben sie sonst evtl. auf der Ware sitzen); andererseits aber auch evtl. schlechtere Ware im Lage (älteres Modell etc.) → geringerer Preis erforderlich]

[In der Realität quasi immer: Mix aus Realausgleich und monetärem Ausgleich; evtl. je nach Saison unterschiedlich]

[Man könnte theoretisch den Realausgleich dadurch messen, indem man sich die Preisveränderungen anschaut.]

[Das Statistische Bundesamt holt sich die Zahlen für die BIP-Be­stim­mung vom Finanzamt, und das wiederum bekommt sie durch die monatlichen Mehrwertsteuererklärungen der Unternehmen, ist also relativ schnell das ganze.]

[Kapitalstock sinkt (steigt) ⇔ negatives (positives) Delta Volks­ver­mö­gen; Delta Volksvermögen (\Delta VVΔV V ) zeigt also an, ob der Kapitalstock steigt oder sinkt.]

[Zu I^{\text{n}}In und S_{H}SH gibt es keine direkten Güterströme (im Gegensatz zu C_{H}CH und YY ); wenn man's trotzdem annehmen will, dann könnte man z.B. Wertpapiere nehmen, also allgemein den Erwerb von Forderungen (z.B. dass man sein Geld zurückbekommen hat)]

[Kapitalstock wird erreicht durch XXXInvestition, wird gesteigert durch Nettoinvestition; der Kapitalstock ist der Wert eines Unternehmens; auch neue coole Erfindungen und das Image etc. können den Kapitalstock steigern; Bewertung erfolgt durch den Markt; "Wie viel würd' ich für den Verkauf des Unternehmens bekommen?" "Wie viel Rendite wenn ich's behalt?"; Kapitalstock ist nicht fest, da immer Marktbeurteilung.]

[Dinge selbst haben keinen Wert, nur "was bekommt man beim Verkauf/Benutzung"]

[Ideelle Sachen fließen eigentlich nicht ins BIP ein (z.B. Gesundheit etc.), Ausnahme: Marken]

digraph a {
  rankdir=LR;

  U -> H [label="Y"];
  H -> U [label="Ch"];
  U -> U [label="D / Ie"];
  H -> v [label="Sh"];
  v -> U [label="In"];

  a -> U [label="Export X"];
  U -> a [label="\nImport M"];
  v -> a [label="X - M"];

  s -> H [label="Transfers Zh"];
  H -> s [label="Tdir."];
  s -> U [label="Subventionen Zu"];
  s -> U [label="Cst (staatliche Ausgaben für Infrastruktur)"];
  U -> s [label="Indirekte Steuern Tind."];
  s -> v [label="Sst (negativ!)"];

  v [label="Delta VV"];
  s [label="Staat"];
  a [label="Ausland"];
}

[Anmerkungen:

  • Import und Export wie eingezeichnet sind Geldströme; das Ausland zahlt für den Export eines gewissen Produkts aus Deutschland heraus ins Ausland

  • Indirekte Steuern sind z.B. Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer, Tabaksteuer, direkte Steuern sind z.B. Einkommensteuer, Lohnsteuer, Hundesteuer etc.1

  • Das negative S_{St}SSt beschreibt die Bedienung des Staats bei \Delta VVΔV V . Alternativ könnte man die Pfeilrichtung auch umkehren und dann mit "Kreditaufnahme des Staates" betiteln.

  • Investition der X - MX M in Forderungen ans Ausland]

[Kapital ist Geld, das investiert und in Vermögen umgewandelt wird; Kapital braucht man, um Vermögensdinger zu kaufen; Kapital ist das Mittel, Geld ist die Quelle, Vermögen ist XXX]

BIP_{\text{M}} = C_{H} + C_{St} + I^{\text{br}} + X - MBIPM = CH + CSt + Ibr + X M

BIP_{\underbrace{\scriptsize\text{F}}_{\text{Faktorleistungen}}} = BIP_{\text{M}} - T_{\text{ind.}} + Z_{U}BIPF Faktorleistungen = BIPM Tind. + ZU [UU kann billiger produzieren]

NIP_{\text{F}} = BIP_{\text{F}} - DNIPF = BIPF D [oder I^{\text{e}}Ie]

NIP_{\text{F}} \mathrel{\widehat{=}} YNIPF = ̂ Y

Gesamtwirtschaftliche Nachfrage NN: N = C_{H} + C_{St} + I^{\text{br}} + XN = CH + CSt + Ibr + X

Gesamtwirtschaftliches Angebot AA

\text{Produktionswert} - \text{Vorleistungen} = \text{Bruttowertschöpfung}ProduktionswertVorleistungen = Bruttowertschpfung

  • Annahme: A = NA = N

    \underbrace{BPW}_{\scriptsize\text{Bruttoproduktionswert, }= PW - VL} + M = C_{H} + C_{St} + I^{\text{br}} + XBPW Bruttoproduktionswert, =PWV L+ M = CH + CSt + Ibr + X

    [B. S. 102 oben]

    [Preisanstieg, Wechselkurse (z.B. Abwertung der eigenen Wäh­rung), Streiks, Bildung, Qualität, Zölle, Kontingentpolitik (zollfreie Einfuhr bis zu einer bestimmten Grenze)]

  • AA und NN im Ungleichgewicht (XXX):

    Z.B.: A < NA < N, expansiver Effekt:

    digraph a {
rankdir=LR;
  N -> Prod -> Y -> Konsum;
  Konsum -> N [weight=200];

  N      [label="N ^"];
  Prod   [label="Produktion ^"];
  Y      [label="Y ^"];
  Konsum [label="Konsum ^"];
}

    [Mehrwertsteuererhöhungen bei höherem YY /CC]

    [Auch möglich: Anlage von zustäzlichem Einkommen in Fonds, und damit im Ausland; damit kein zusätzlicher Konsum im Inland und damit kein expansiver Effekt]

    • \text{Marginale Konsumquote} = \frac{\Delta C}{\Delta Y}Marginale Konsumquote = ΔC ΔY

    • \text{Marginale Sparquote} = \frac{\Delta S}{\Delta Y}Marginale Sparquote = ΔS ΔY

    Je höher die marginale Konsumquote, desto stärker die Expansionswirkung! → Multiplikatoreffekt!

    Bei I^{\text{br}}Ibr-Nachfrage kommt zusätzlich ein Vorzieheffekt zum Tragen, da die Investition heute schon bezahlt wird, obwohl sie für z.B. fünf Jahre kalkuliert ist! → Akzellerator

  • Falls A > NA > N:

    Kontraktiver Effekt (analog zu expansivem Effekt, nur negativ); dabei wirken ebenfalls Multiplikator und Akzellerator ver­stärkt negativ ["Trägheit": Fehlen von neuen Investitionen (aber immer noch Reste vom Verzieheffekt)], wobei sich evtl. sogar noch die marginale Konsumquote abschwächt wegen Angstsparen.

    [Sparmaßnahmen des Staats → weniger CC als üblich → weniger NN → ...]

    [Ausland bei beiden Situationen (AA kleiner und größer als NN) relativ unabhängig, aber z.B. mehr Export bei kleineren Preisen im Inland und weniger Export bei höheren Preisen im Inland (bei Annahme eines relativ preisstabilen Auslands)]

    [Staat (Grundausgaben immer notwendig) und Kostspieligkeit von Entlassungen als hemmende Faktoren]

Bei beiden Effekten (kontraktiv und expansiv) kann man eine Ver­stär­kung durch prozyklisches Verhalten der Wirtschaftssubjekte (UU, HH, StSt) feststellen.

[Wirtschaft braucht Planungssicherheit; daher kontraktiver und expansiver Effekt (!) schlecht]

→ Starke Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität sind für alle Wirtschaftssubjekte schlecht, da keine Planungssicherheit und entsprechende Anpassungsverluste entstehen [z.B. umsonst ge­tä­tig­te Investitionen, fehlende Investitionen, etc.].

[Wendepunkt vom expansiven Effekt:

  • Überhitzung

  • Abstrus hohe Preise

  • "Lieber jetzt verkaufen, bevor es wieder schlecht wird"]

[Wendepunkt vom kontraktiven Effekt:

  • Genug kleine Preise

  • Neue, attraktive Produkte

  • Einsparungen in der Verfahrenstechnik

  • Ausland

  • Ersatzinvestitionen

  • Glaube/Hoffnung ("jetzt war's sooo lange schlecht, jetzt muss es wieder gut werden")]


1.

Wikipedia: Direkte Steuern werden unmittelbar vom Steuerschuldner erhoben. Bei direkten Steuern sind Steuerschuldner (gesetzlich bestimmt) und Steuerträger (derjenige, welcher die Steuer tatsächlich zahlt) personenidentisch. Beispiel: Bei der Hundesteuer ist der Hundehalter gesetzlicher Steuerschuldner und er zahlt sie auch. Indirekte Steuern muss nicht der eigentliche Steuerschuldner leisten, sondern stellvertretend eine andere Person (Steuerträger), welche die entsprechende Belastung an den eigentlichen Steuerschuldner weitergibt.