Zuletzt geändert: Fr, 11.11.2005

«K12/K13» Faust «PDF», «POD»




0.0.1 Faust

0.0.1.1 Die Entstehung des Fausts im Wechsel mit Goethes Leben
Leben GoethesNiederschlag in Faust I
1749: Goethe wird geboren
1765–68: Jurastudium in LeipzigAuerbachs Keller
1768: Rückkehr nach Frankfurt, dort Praktikum als Anwalt, Krankheit, beschäftigt mit Mystik, Chemie und PietismusFaust als Alchemist und Pansophist
1770–71: Jurastudium in Straißburg
→ Erkenntnisnacht und SelbstzweifelSituation von Faust zu Beginn des Stücks
→ Liebe zu Frederike BrionGretchen-Tragödie
→ Verlassen der GeliebtenGretchen wird von Faust verlassen
1772–75: Entstehung des Urfausts in Frankfurt (← Sturm und Drang)
1772: Kriminalfall in Frankfurt: Margarethe Brandt (Kindermörderin, Hinrichtung)Gretchen-Tragödie
1788/89: Arbeitspause am FaustSzenen "Hexenküche" und "Wald und Höhle"
1788/89: Italienreise, "Faust, ein Fragment" entsteht
1790: Veröffentlichung von "Faust, ein Fragment"
1794–1807: Austausch von XXX Gedankengut mit Schiller"Walpurgisnacht"
1797: ZuneigungVorspiel, Prolog im Himmel (≈ 1800), (Helena-Fragment 1800)
Einfluss des Süddeutschen XXX"Geisterszenen", "Vor dem Tor", "Hexenküche"
1807: "Faust: Der Tragödie erster Teil" abgeschlossen
1808: Veröffentlichung
0.0.1.2 "Vorspiel auf dem Theater"
[Direktor
  • will dem Publikum behagen

  • Ökonomie

  • verlangt vom Dichter, nicht einfach zu satisfizieren, sondern Verwirrung zu schaffen, irgendetwas soll für jeden dabei sein, publikumsbezogenes Schreiben, Lehr, Handlung in kleinen Stücken, Effekte

Lustige Person
  • kurzweilige Unterhaltung

  • volles Leben (Wein, Weib, Gesang)

  • Gute Verständlichkeit

Dichter
  • zeitlos

  • nicht für die Masse

  • Lehre, Moral, etc.

  • wahrheitsgemäß und dennoch fiktiv

  • Dichter muss sich treu bleiben

Publikum
  • Will ein Fest (V. 40)

  • Möchte staunen

  • Unterhaltung, Zerstreuung

  • "Kleidung der Frauen" (V. 119)

  • Lässt sich befriedigen]

0.0.1.3 "Prolog im Himmel" [Metaphysik]
[Faust als Hiob?
Buch Hiob"Prolog im Himmel"
fromm, glaubensfest"was die Welt im Innersten zusammenhält" (V. 382f)
auch am Schluss gottgläubigam Schluss gottgläubig?
Hiob hat keine WahlFreie Entscheidung, Faust lässt sich verführen
Satan Gegner Gottes, das BöseKein absoluter Glaube, Zweifel aufgrund seines Wissens
Mephisto als Werkzeug Gottes → positive Funktion]

Gemeinsamkeiten:

  • Gott trifft Teufel

  • Gott erlaubt Versuchung

  • Hiob und Faust gottesfürchtig

Menschen- und Weltbild
MephistoHerr
"herzlich schlecht" (V. 296)schön, wertvoll (V. 345)
"Menschen plagen" (V. 280)
Vernunft nur vorgeschoben, Aufführen wie ein Tier, Instinkte statt Vernunft (V. 284)Streben der Menschen zum Guten, Vergebung (V. 328f)
Element der Trägheit (V. 340f)
0.0.1.4 Dreifacher Rahmen
a)

Zueignung (Vergangenes und Gegenwart)

1797 datiert; Versform: Stanze (acht Zeilen)

Fünfhebiger Jambus, Aussage: Schaffungsprozess

b)

Vorspiel auf dem Theater

Faust: Teilweise Komödie, Spektakel

c)

Prolog

Thema: Engel-Gott-Teufel

→ Lobpreis der göttlichen Schöpfung

Erzengel Rafael

Ptolemäisches Weltbild (Erde als Scheibe)

Erzengel Gabriel

Kopernikanisches Weltbild (Erde als Kugel)

Erzengel Michael

Christliches Weltbild (Erde als Scheibe)

Mephistopheles' Menschenbild

Welt: Dualismus [zwei Seelen ach! in meiner Brust]

0.0.1.5 "Nacht"

Zentrale Aspekte:

  • Absage an "normale" Wissenschaft

  • Magie (weiße und schwarze, Mensch ≠ Gott)

  • Entgrenzungsversuche:

    • Makrokosmos: Jakobsleiter (V. 430)

    • Mikrokosmos: Erdgeistanrufung (V. 460)

    • Selbstmordversuch

Faust (Sturm und Drang) ↔ Wagner (Aufklärung)

Zwei Seelen (Ratio, Trieb) ↔ Wissen profitabel

0.0.1.6 Der Teufelspakt
Fausts Forderungen (V. 1675ff.)

Faust will Alles, auch was nach menschlicher Erkenntnis unmöglich ist.

Fausts Bedingungen (V. 1699–1702)

Falls er das teuflische Prinzip akzeptiert, sind Mephistos Forderungen erfüllt.

Fausts Erwartungen (V. 1750ff, 1765ff.)

Faust will die totale Welterfahrung, alle Gegensätze des Lebens kennenlernen, das Menschsein an sich erfahren (Ganzheitsstreben, Mikrokosmos)

Mephistos Angebot (V. 1642ff., 1656ff., 1671ff.)

Mephisto will alle Wünsche Fausts [auf Erden] erfüllen.

Mephistos Forderungen

Nach Tod soll Faust ihm gehören.

Mephistos Absicht

Er will Faust träge machen, ihn von seinem Streben abbringen (vgl. Prolog 312ff.).

Fazit: Faust sieht Mephisto als Mittel seiner Maßlosigkeit (XXX) zu befriedigen. Mephisto sieht Faust als Mittel, dem Herrn seine Macht zu beweisen.

0.0.1.7 Fausts Erkenntnis- und Existenzkrise (V. 354–521; Eingangsmonolog)
  • Ungestillter Wissensdrang (V. 354f.)

  • Ohne Illusionen auf Hoffnung in die Menschheit (V. 372f.)

  • Fürchtet weder Hölle noch Teufel (V. 369) →

    ohne Glauben/außerhalb der Tradition

  • Kein Bezug zur Natur/zum Weltgeschehen (V. 402ff.)

  • Ohne Freude/Lebenslust (V. 370)

  • [Denkt, er hätte nichts wertvolles/streitet sein Vermögen ab (V. 374)]

0.0.1.8 [Faust im Vergleich zu Wagner (V. 523–622)]
Faust
  • [Man kann nicht alles wissen.]

  • [Kirche ← Komödie (abwertend)]

  • [Faust näher an Natur, Welt, etc. als Wagner, weil er weiß, dass man nicht alles wissen kann.]

  • Will Teilhabe an Welt, Natur, Menschenleben

  • Gefühl, Herz, Seele

  • Skeptisch gegenüber Tradition, wissenschaftlichem Streben

  • → Will wissen, "was die Welt Im Innersten zusammenhält" (V. 382f.)

  • → Durstet nach Erfahrung, will Freund und Leid erleben

  • Menschheitspessimismus

Wagner
  • [Wenn man nur lange genug lernt, kann man alles wissen. (V. 601)]

  • [Geistige Enge]

  • [Wagner eigentlich mehr der "Gelehrtentyp" als Faust.]

  • [Kühle, sachliche Rede; Verstand, Weisheit]

  • Weltfern, naturfern, volksfern

  • Verstand, Weisheit [V. 547]

  • Traditions- und Wissenschaftsgläubig [V. 601]

  • Menschheitsoptimismus

Wagner begnügt sich mit Bücherweisheit und Stubengelehrsamkeit. Er ist ein trockener Rationalist.

Faust strebt nach ganzheitlicher, existenziellen Erfahrungen. E ist Pansophist.

0.0.1.9 Symbole
GöttlichesErdeMephistophelisches
LichtWolken1Finsternis
GeistSchleier2Stoff (Körperlichkeit)
SchwerelosigkeitFliegenKörperschwere
Quelle, Strom, Meer und FlussRegenbogenStaub, Trockenheit

[Blankvers hat 4 statt 5 XXXs; beliebige Lückenfüllung; reimlos]

0.0.1.10 [Charakterisierung] Faust[s]
  • Lebenspessimismus

  • Titanisches Ringen mit Gottheit

  • Bleibt Zweiseelenhaft, widersprüchlich

0.0.1.11 Leitmotivketten

(Buchstabe) Wort → (Gefühl) Geist → Dilemma

Irren und Mond ← Zeichen für Natur

Gold und Weben ← Zeichen für a) Walten der Natur und b) Wirken des Dichters

Faust als Sprachskeptiker kann "das Wort so hoch unmöglich schätzen" (V. 1226) bei Übersetzung des Johannes-Evangeliums

Sprache versagt (\mathrel{\widehat{=}} = ̂ Notbehelf), wenn sie a) die Gefühlswarheit der Liebe in Worte kleiden soll und b) im Glauben.

Regenwurmmotiv (Anschluss am Symbolkreis von Staub und Trockenheit)

Worte mit Staub (darin kriechen Schlange und Wurm!) in seiner Nichtigkeit verwandt

→ Beziehungsreichtum, Geschlossenheit von Gottes Bildwelt

0.0.1.12 Gretchen-Tragödie
  • Hexenküche

  • Straße

  • Gartenstube: Faust und Gretchen

  • (Höhepunkt (Schuld))

  • Schwangerschaft, Tod der Mutter und des Vaters

  • Kerker: Trennung

  • Flucht Faust[s]: Tod Gretchens

  • Fünf Handlungsteile → klassische Tragödie

  • 16 Szenen mit Faust und Gretchen

  • Zwei Einschübe (Walpurgisnacht, Wald und Höhle)

  • Straße (Einleitung ins Verderben)

  • Abend (Vorausgriff auf das Ende und Lied)

  • Spaziergang (Kritik an Kirche)

  • Der Nachbarin Haus (Mittelpunkt: Marthe)

  • Am Brunnen (Vorgriff auf gesellschaftliche Ächtung)

  • Kerker

Schuld Gretchens: Tod der Mutter, Sex vor der Ehe, Tod des Kindes

→ Verstoß gegen alle Normen (Kirche, Gesellschaft)


1.

Sinnbild der Steigerung (steigt empor und löst sich auf)

2.

verbirgt und enthüllt zugleich das Absolute